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Kontemplation

Das Wort „contemplatio“ ist lateinisch. Es bedeutet schlicht betrachten. Leider nicht mehr und nicht weniger. Es gibt andere Sichtweisen zur Bedeutung dieses Begriffes. Mir gefällt diese schlichte Bedeutung. Ich verstehe sie nicht nur rein äußerlich, im Sinne von Anschauen. Auf einer tieferen Ebene bedeutet es, die eigene Aufmerksamkeit auf etwas bestimmtes ausrichten, die eigene Aufmerksamkeit bündeln…

Im Wikipedia Lexikon finden sich noch einige interessante Ergänzungen. Dort heißt es u.a.:

 

„Kontemplation präsentiert sich als intuitive Alternative oder weiterführende Ergänzung zum diskursiven Bemühen um Erkenntnis.“

„In der Antike und im Mittelalter herrschte in tonangebenden intellektuellen Kreisen die Auffassung vor, dass die Beschaulichkeit die beste Daseinsform sei, da sie die wertvollsten Früchte erbringe.“

„Für große Teile der christlichen Welt bildet die kontemplative Betrachtung der Werke Gottes und eine auf Gott selbst gerichtete Kontemplation traditionell einen Kernbestandteil des religiösen Lebens.“

Warum haben wir heute den Eindruck, den Zugang zur Kontemplation verloren zu haben? Oder:Warum wird Kontemplation aus gesellschaftlicher Sicht in ein paar exklusive Ecken verbannt?Dazu könnten wir tatsächlich viele Theorien aufstellen und diskutieren.

Wikipedia meint dazu:

„In den Hauptströmungen des modernen Geisteslebens dominiert die Bevorzugung des praktischen, aktiven Verhaltens. Die Kontemplation wird oft als bedeutungslose Beschäftigung ohne Ertrag wahrgenommen. Bestritten wird nicht nur ihr Vorrang gegenüber der zugreifenden Aktivität, sondern auch ihr Anspruch, einen Zugang zu Wahrheit zu erschließen.“

Abraham Maslow hat in einer umfangreichen wissenschaftlichen Studie festgestellt: jeder Mensch ist ein Mystiker. Kein Witz!

Eigentlich wollte Maslow herausfinden, was psychisch gesunde Persönlichkeiten auszeichnet, nachdem die meisten Forscher seiner Zeit sich darauf konzentrierten, psychische Erkrankungen zu beschreiben und zu definieren. 

Das Ergebnis war  auch für Maslow selbst eine riesige Überraschung: „Überwältigend Viele – vielleicht alle – Menschen machen mystische Erfahrungen.“ In seinem Buch „Jeder Mensch ist ein Mystiker“ beschreibt er die Gemeinsamkeiten der Erfahrungen, die die Menschen gemacht haben, die er befragt hatte. Seine Sammlung würde ausreichen um einen eigenen Adventskalender damit zu füllen…vielleicht das Projekt von 2022?

Im Verlauf seiner weiteren Untersuchungen nannte er sie „Gipfelerlebnisse“, „um die akademische Welt nicht durch einen religiös tönenden Begriff vor den Kopf zu stoßen. „

Wieso nicht? 

Es gibt Menschen, die das Gegenteil bewiesen haben. Ich greife nur ein Beispiel heraus:

Madeleine Delbrel…

Madeleine Delbrel hat mich schon als Jugendliche fasziniert. Mit Begeisterung habe ich von ihr gelesen und sie wurde mir zum Vorbild.

Es hat mich absolut fasziniert, dass es ihr gelungen ist, ihr Leben ganz Gott zu widmen, inmitten der Welt, inmitten einer kommunistischen Umgebung. Als Jugendliche hat sie zunächst alles in Frage gestellt. Sie glaubte nicht an die Existenz Gottes.

Dass ihr Freund sich von ihr trennte, um ins Kloster der Dominikaner einzutreten hat sie in eine Lebenskrise geführt. Sie begann zu beten und sie machte eine ganz persönliche Gottes-Erfahrung.

Im Herbst 1933 beginnt sie mit zwei Gefährtinnen ein Leben in Ivry, einer kommunistisch geprägten Vorstadt von Paris.

 

Sie schreibt:

„Wir anderen, wir Leute von der Straße, glauben aus aller Kraft, dass diese Straße, diese Welt, auf die Gott uns gesetzt hat, für uns der Ort unserer Heiligkeit ist. Wir glauben, dass uns hier nichts Nötiges fehlt, denn wenn das Nötige fehlte, hätte Gott es uns schon gegeben.“

 

Sie wird Sozialarbeiterin und bezeichnet Ivry als ihre „Schule des angewandten Glaubens“.Ihr „Konzept“: Bleiben – vor allem bei den sozial benachteiligten Arbeitern.

 

„Geht hinaus in euren Tag ohne vorgefasste Ideen, ohne die Erwartung von Müdigkeit, ohne Plan von Gott, ohne Bescheidwissen über ihn, ohne Enthusiasmus, ohne Bibliothek – geht so auf die Begegnung mit ihm zu. Brecht auf ohne Landkarte – und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist und nicht erst am Ziel. Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden, sondern lasst euch von ihm finden in der Armut eines banalen Lebens. Im Glauben haben wir Gott gefunden; wir können ihn weitergeben, wenn wir uns selbst geben, und zwar hier in unserer Stadt. Es geht also nicht darum, dass wir uns irgendwohin davon machen, das Herz beschwert von der Not der anderen, wir müssen vielmehr bei ihnen bleiben, mit Gott zwischen ihnen und uns.“

 

Sie weiß und vertraut der Gegenwart Gottes in ihr selbst, in jedem Menschen, in der Welt, während die Kirche ihrer Zeit glaubte, entweder bekehren oder sich abgrenzen zu müssen.

 

In einem ihrer Texte (Liturgie der Außenseiter) schreibt sie:

 

…weil deine Augen in den unsren erwachen,
weil dein Herz sich öffnet in unserm Herzen,
fühlen wir,
wie unsere schwächliche Liebe aufblüht,
sich weitet wie eine Rose,
zärtlich und ohne Grenzen
für all diese Menschen, die hier um uns sind.

Das Café ist nun kein profaner Ort mehr,
dieses Stückchen Erde,
das dir den Rücken zu kehren schien.
Wir wissen, dass wir durch dich
ein Scharnier aus Fleisch geworden sind,
ein Scharnier der Gnade….

Im Grunde ist der Weg zur Kontemplation sehr einfach. Vielleicht zu einfach. 

Die Herausforderung besteht darin, nichts zu machen sondern erstmal alles zu lassen und es mag sein, dass der Weg zur Kontemplation erstmal ziemlich langweilig erscheint. Meiner Meinung nach genügen diese vier Schritte:

loslassen – beobachten – da-sein – verbunden sein

 

 

Loslassen:

  • Aufgaben und Rollen
  • Gedanken und Bewertungen
  • Körperempfindungen und Gefühle

Ich nehme mich wahr auf der tiefsten Ebene.

Wenn ich all das loslasse, komme ich im Kontakt mit meinem Wesen, meinem Ursprung. Als ich auf diese Welt kam, hatte ich noch keine Gedanken und Bewertungen, auch Aufgaben und Rollen habe ich erst später eingenommen, bzw. wurden mir zugewiesen.

Beobachten:

meine Aufmerksamkeit ausrichten,

  • auf das Innerste,
  • auf den Seinsgrund oder Wesensgrund und damit auf den Ort Gottes in mir selbst.

da sein,

  • atmen, 

Ich komme an, in einer inneren Stille. Hier verlieren sich die Worte und Gedanken.

Diese Stille existiert unabhängig von den äußeren Umgebungsgeräuschen.

Ich erlebe sie wie einen Ort. Ich muss nirgendwo hin gehen um Gott zu begegnen.

Der Ort Gottes ist in mir selbst und gleichzeitig überall.

Verbunden- sein

 

Ich bin verbunden, verankert im göttlichen Seinsgrund.

Freudig nehme ich wahr: es gibt keine Trennung, auf dieser tiefsten Ebene.

Und weil alles in diesem göttlichen Seinsgrund verankert ist, bin ich verbunden mit allen und allem. Alle Wesen entstammen diesem Ursprung…

Diese Anleitung dauert insgesamt ca. 24 Minuten. Neben der Hinführung finden sich darin immer wieder Zeiten der Stille von ca 2-5 min. 

Als Audio-Datei folgt diese Anleitung sobald es möglich ist. Solange kannst Du die schriftliche Anleitung oben nutzen…

Bitte hab noch etwas Geduld!

Dieser Adventskalender unterscheidet sich sehr von dem im vorigen Jahr. Normalerweise freuen wir uns auf die tägliche kleine Überraschung, die uns jemand bereitet. Diesmal besteht die Einladung darin, sich von „innen“ täglich neu überraschen zu lassen. 

  • Wähle Dir eine Anleitung aus, mit der Du durch den Advent gehen möchtest. 
  • Wähle Dir einen Zeitpunkt aus, an dem Du täglich wach und ruhig genug bist, um Dir 10 min. oder 20 min. Zeit zu nehmen. 
  • Und lass Dich überraschen!

Natürlich kannst Du die Übung der Stille und Kontemplation auch mehr als einmal am Tag durchführen. Ganz wie Du möchtest.

  • Ich freue mich, wenn Du Deine Erfahrungen mit mir teilst. Meine Mail – Adresse ist Dir ja bekannt. Du kannst natürlich auch das Kontaktformular benutzen. 

Bitte schreibe mir auch, wenn Du mir erlaubst, deine Erfahrung mit den anderen Nutzern des Adventskalenders, hier auf dieser Seite zu teilen. Dann erscheint sie hier unter der nächsten Überschrift:

Atem – 

bedeutet für uns Leben. Er verbindet uns mit dem Ursprung des Lebens. Im Buch Genesis wird uns erzählt, wie Gott dem Adam den Lebensatem einhaucht. (Gen. 2,7):

Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.

Das Atmen haben wir mit allen Menschen gemeinsam. Es verbindet uns. Richard Rohr schreibt in seinem Buch: Pure Präsenz: „Es gibt keine islamische, christliche oder jüdische Weise des Atmens. Es gibt auch keine amerikanische, afrikanische oder asiatische.“

Das hebräische Tetragramm JHWH ist ein unaussprechliches Wort. Es gibt Wissenschaftler, die der Überzeugung sind, dass es der Versuch ist, das Geräusch des Atmens abzubilden. 

Richard Rohr: “ Das was wir in jedem Augenblick unseres Lebens tun, nämlich atmen, bedeutet demzufolge nichts anderes als den Namen Gottes auszusprechen.“ 

Haftungs-Auschluss

Eine Anleitung zur Kontemplation kann zu einer Erfahrung der Entgrenzung führen. 

Deshalb ist für die Nutzung eine stabile psychische Konstitution die Voraussetzung. 

Ich bitte Sie diese Anleitungen nicht zu nutzen, wenn sie unter Alkohol oder Drogeneinfluss stehen. 

Die Nutzung dieser Anleitungen geschieht auf eigene Verantwortung.

Durch die freiwillige Nutzung der Anleitungen erklärt der Nutzer, dass er/sie die Anleitungen freiwillig und auf eigene Gefahr nutzt und die Haftung für eventuelle Auswirkungen selbst übernimmt. 

 

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